Heute veröffentlichte der Wissenschaftsrat, Deutschlands wichtigstes wissenschaftspolitisches Beratungsgremium, auf seiner Internetseite
www.wissenschaftsrat.de sein positives Gutachten zur institutionellen Akkreditierung der Hochschule Weserbergland in Gründung (HSW i.G.). Damit ist einer der wichtigsten Meilensteine in der Weiterentwicklung der Berufsakademie Weserbergland (BAW) zur Hochschule Weserbergland erreicht, so dass diese sehr wahrscheinlich wie geplant zum August dieses Jahres den Hochschulbetrieb aufnehmen kann. Im nächsten Schritt wird die HSW i.G. die Genehmigung der Hochschule beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur beantragen und ihre beiden unter dem Dach der Berufsakademie bereits akkreditierten dualen Studiengänge ergänzend akkreditieren lassen. Im September plant die HSW i.G. ein dreitägiges Fest am Stockhof unter dem Motto "Ab in die Zukunft", um mit Hameln und der Region die Eröffnung der als gemeinnützig staatlich anerkannten privaten Fachhochschule zu feiern.
Bei der Pressekonferenz am 10. Mai stellten sich (v.l.) Susanne Lippmann (Oberbürgermeisterin der Stadt Hameln), Rüdiger Butte (Landrat des Landkreises Hameln-Pyrmont), Dr. Volkmar Langer (Akademieleiter BAW), Rudolf Bandick (1. Vorsitzender des Trägervereins der BAW) und Dr. Hans Ludwig Meyer (stellv. Akademieleiter BAW) gern den Fragen der Journalisten zur Hochschule Weserbergland in Gründung.
Am 7. Mai entschied der Wissenschaftsrat bei seiner Frühjahrstagung in Potsdam die institutionelle Akkreditierung der Hochschule Weserbergland. In dem heute veröffentlichten 43-seitigen Gutachten kommt der Wissenschaftsrat "zu einer insgesamt guten Bewertung des von der HSW vorgelegten Konzeptes" und bescheinigt, dass "das vorgelegte Konzept der HSW den wissenschaftlichen Maßstäben einer Fachhochschule entspricht." Unter anderem "würdigt der Wissenschaftsrat die umsichtige Planung der HSW auf ihrem Weg von der Berufsakademie zur Hochschule". Die Akkreditierung erfolgt mit nur einer Auflage zur Stärkung der akademischen Unabhängigkeit der Hochschule und gilt zunächst für fünf Jahre.
Bereits im ersten Hochschuljahr wird das Studienangebot der Vorgängerinstitution Berufsakademie sowohl in der Tiefe als auch in der Breite ausgebaut. Neben den dualen Bachelorstudiengängen in Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik wird es ab 2011 auch einen dualen Bachelorstudiengang in Wirtschaftsingenieurwesen sowie einen berufsbegleitenden Aufbaustudiengang Master of Business Administration (MBA) in General Management geben. Mit dieser Angebotserweiterung setzt die HSW i.G. auch vor dem Hintergrund des doppelten Abiturjahrgangs in Niedersachsen im kommenden Jahr ein wichtiges Signal. Sie trägt bereits jetzt dem demographischen Wandel und dem auch damit verbundenen Fachkräftemangel Rechnung. Damit leistet die Hochschule in Zukunft einen zunehmend wichtigen Beitrag für das durch klein- und mittelständische Unternehmen geprägte Weserbergland.
Auch der Bereich Forschung und Entwicklung wird ausgebaut. Zum Start der Hochschule Weserbergland forscht diese in den fünf Bereichen Personalentwicklung und Lebenslanges Lernen,
E-Learning – Innovationen in Lehr-/ Lernszenarien, Wissensmanagement, technischer und praxisorientierter Datenschutz sowie Controlling im Mittelstand. Für die Bereiche Personalentwicklung und Lebenslanges Lernen sowie Wissensmanagement sollen in Kürze Institute gegründet werden.
Für die erfolgreiche Umsetzung der Weiterentwicklung muss das bisherige Mitarbeiterteam aufgestockt werden. Zunächst werden fünf Professorenstellen in den Fachbereichen Wirtschaft und Informatik ausgeschrieben, im nächsten Jahr sind weitere Stellenausschreibungen geplant.
Die Freude über die positive Akkreditierungsentscheidung ist bei dem BAW-Team, den Studierenden, Dozenten und Unternehmensvertretern groß. "Ich freue mich sehr, dass wir unserem Ziel Fachhochschule zu werden einen großen Schritt näher gekommen sind und sich all die Energie und Arbeit, die wir in die Vorbereitung steckten, entsprechend gelohnt haben." sagt Dr. Volkmar Langer, Akademieleiter der BAW. In den vergangenen zwei Jahren wurde in der Berufsakademie an der Weiterentwicklung zur Hochschule gearbeitet, u.a. galt es einen Bericht zur Vorprüfung sowie später einen rund 1.000-seitigen Selbstbericht zur institutionellen Akkreditierung einzureichen. Dieser beschreibt folgende Prüfbereiche: Leitbild und Profil; Strategie; Leitungsstruktur, Organisation & Verwaltung; Leistungsbereich Lehre und Studium; Leistungsbereich Forschung; Personelle und sächliche Ausstattung; Finanzierung; Qualitätssicherung und Kooperationen. Die Darstellungen des Selbstberichts hinterfragte im November 2009 eine achtköpfige Gutachtergruppe des Wissenschaftsrates in Gesprächen mit der Leitung, Trägern, Studierenden, Dozenten, Unternehmensvertretern und wissenschaftlichen Mitarbeitern.
Hintergrundinformationen
Gründe für die Weiterentwicklung
Prinzipiell waren alle Beteiligten mit der Institution Berufsakademie zufrieden, besonders seit der durch den Bologna-Prozess möglichen Einführung der Bachelorstudiengänge, die 2004 erstmalig akkreditiert wurden und damit den Bachelorabschlüssen von Fachhochschulen und Universitäten gleichgestellt waren. Dennoch erfahren niedersächsische Berufsakademien einige Wettbewerbsnachteile, die als solche nicht zu umgehen waren. Ein wichtiger Punkt ist diesbezüglich die geringere Wahrnehmung und die Erklärungsbedürftigkeit der Institution Berufsakademie. Darüber hinaus dürfen Berufsakademien keine weiterführenden Masterstudiengänge anbieten. Diese wurden allerdings sowohl von BAW-Absolventen als auch von den Unternehmen als Personalentwicklungsmaßnahme nachgefragt. Wissenschaftliches Personal war als Berufsakademie nur schwer zu finden, da festangestellte Dozenten in akkreditierten Bachelorstudiengängen die gleichen Qualifikationen wie Fachhochschulprofessoren mitbringen müssen. Jedoch können sie von Berufsakademien keinen Professorentitel erhalten. Darüber hinaus haben Berufsakademien nur erschwert Zugang zu Forschung- und Entwicklungsprojekten und insbesondere zu entsprechenden Fördermitteln.
Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. Die 32 Mitglieder sind von Bundespräsident Horst Köhler berufen worden. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur setzt ein positives Votum des Wissenschaftsrates voraus, bevor es eine Entscheidung für die Weiterentwicklung zur Hochschule treffen kann.
Berufsakademie Weserbergland e.V.
Die Berufsakademie Weserbergland e.V. (BAW), die 1989 von 31 Unternehmen der heimischen Wirtschaft, dem Landkreis Hameln-Pyrmont und der Stadt Hameln gegründet wurde, bietet als Studieneinrichtung im tertiären Bildungsbereich in Hameln duale Studiengänge in den Bereichen Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaft mit verschiedenen Schwerpunkten und Bachelor-Abschlüssen an. Das dreijährige Studium zeichnet sich besonders durch die Verknüpfung eines Studiums auf Hochschulniveau mit einer praxisorientierten Ausbildung in einem Wirtschaftsunternehmen aus. Seit Anfang 2006 bietet die BAW auch verschiedene Weiterbildungsmaßnahmen an.